Tim drückt auf die Tube.

Wie die Zeit vergeht. Schon wieder ist es dreiviertel sieben. Wer jetzt die Fernbedienung noch nicht gefunden hat, ist selber schuld. Der Sender VOX bringt „Schmeckt nicht, gibt s nicht". Aus der Röhre grüßt Tim Mälzer lakonisch in die deutschen Wohnstuben aus dem Kochstudio, verkündet sein heutiges Gericht und wirbelt Sekunden später mit Pfannen, Töpfen und Tellern. Schneidet, schnippelt und schält hast-du-nicht-gesehen, zickezacke Fleisch, Gemüse und auch Obst.

Er zerlegt Auberginen in burschikose Würfel, mundgerechte Stücke und raspelt Orangenschale, schneidet Fisch und Fleisch auf dem selben Brett und kocht auf Anraten einer Zuschauerin die Kartoffeln heute mal mit nur wenig Wasser. Damit sie nicht wieder zerfallen. “Auch ich bin noch lernfähig“, gibt er zu. Wo andere zum portionieren einen Esslöffel gebrauchen, nimmt er schon mal die gewölbte Handfläche. Dann dreht er sich rasant, rasant um die eigene Achse, grätscht zum Kühlschrank, zückt den Kochlöffel und beugt sich über den Herd. Tim schmeckt ganz kurz noch das Sößchen ab... eine klitzekleine Prise Salz.. bitteschön. “Wundabaa.“

Das leckere Ergebnis wird am Ende der Sendung der schmachtenden Redaktionsmeute serviert.

Wo „Schweinelecker“ gebrutzelt wird, gibt` s auch mal fettige Flecke, Krümel oder Kerngehäuse. So hat auch die "kulinarische Sudelei" in der Küche nach jeder Mälzerorgie seine Berechtigung...denn Chaos ist schließlich der Beginn jeder neuen Ordnung, jeder weiteren Sendung. Tim und der Sender VOX erlauben sich nämlich 100 weitere Folgen zu drehen.

Auf den Mitschreibeblocks der Mälzerjünger vor dem Fernseher, wird auch nach dieser Sendung nicht viel zu lesen sein. Nicht unbedingt weil Tim zu schnell hantiert und erklärt, sondern weil seine Kochdemonstration leichtverdaulich und einprägend ist.

Der Versuch den klebrigen Blick vom Bildschirm klammheimlich abzuwenden, misslingt den Feinschmeckern vorm TV immer wieder, denn selbst auf seine nonchalanten Anekdoten will man nicht verzichten. Da kommt Tim schon mal auf das Thema Bungeespringen oder seinen Lieblingscomics aus Kinderzeiten...beim kochen...fabelhaft.......und dass Heringe furzenderweise miteinander kommunizieren, wie er gerade gelesen hat.

Ein weiblicher Mälzer-Fan ließ ihm kürzlich eine Liste zukommen, worauf sie akribisch sonderbare Redewendungen, dialektische Verstauchungen, sowie allzu oft verwendete Wörter statistisch festhielt. Da sagt der Tim doch schon mal Fong statt Fond, Teich statt Teig oder 1 Schuß Senf. Auch gut `bei die Kartoffeln`, was bei der Kuchen fehlt` oder `mit einem Gewürz würzen. Und immer wieder `wundabaa`.Nun, aber es schmeckt doch..... gell?!

Der Erfolg seiner Sendungen gibt ihm jedenfalls recht. Ganz nach dem gusto` von täglich einer Millionen Zuschauern. Sein Kochbuch „Born to cook“ steht ganz oben, um nicht zu sagen auf Platz eins der Kochbuchbestsellerliste...so einer wie er hat gerade noch gefehlt.

Anfangs wurde Tim`s Kochshow in den Probesendungen kaum eine Zukunft vorausgesagt. Aber dann hat er, sein Koch- und Unterhaltungstalent eindrucksvoll bewiesen, so dass die TV-Manager an ihm nicht mehr vorbei konnten. Tims Rezepte waren schnell in aller Munde.

Ein prominenter Mitkocher würde vielleicht nur im Wege stehen und sowieso nicht zu Wort kommen. Dafür reicht auch die Zeit nicht. Hier wird "reingehauen", hier wird gekocht. Tim drückt auf die Tube.

Das schöne Restaurant „Das Weisse Haus“, das er zusammen mit Partner Christian Senkel im Hamburg Neumühlen betreibt, ist stets bis auf 6 Wochen im voraus ausgebucht. Wer also früher bucht, kommt eher in den Genuss von Zitronen-Hähnchen mit Korianderreis, Lauchguiche mit Tomaten Minz-Salsa und anderen Aromabomben. Erquickend, erlabend. Jaaaa, das ist Qualität.

Die Mama ist recht stolz auf ihren Sohnemann. Aber das beruht auch auf Gegenseitigkeit. „Ohne die Unterstützung meiner Mutter und den vielen anderen Verwandten, wäre ich nicht da wo ich jetzt bin“, weiss er zu schätzen.

Wer sich einmal in der Küche eines Restaurants ins Geschirr gelegt hat, weiß welch rauer Ton dort herrscht. Der damals 23-jährige Tim durfte diese strenge Schule teilweise in London in vollen Zügen „genießen“. “Scharmützel, verbale Erniedrigungen und körperliche Züchtigungen gehörten dort zur Ausbildung. Damals,“ gibt er zu, „war ich noch nicht so großkotzig wie heute“.

Angeregt vom englischen Starkochdandy und Freund Jamie Oliver erobert Tim seit Dezember 2003 die Herzen der deutschen Kochfans.

Nach dem gelungenen Versuch, immensen Fleiß und künstlerischen Ausdruck mit materiellen Profit zu vereinigen, hat sich Mälzer kein Sofa aus griechisch-antiken Kacheln zugelegt oder läuft in Schuhen aus Kaviar durch die Hamburger Society. Ein saloppes Nein sei hier erlaubt. Er schmückt sich mit einem zitronengelben GMC mit knapp 300PS unter der Haube. Die Kalesche hat ordentlich Pfeffer. Ja, das musste sein. „Fette Autos bin ich schon immer gern gefahren“, so Tim.

Tim ist voll im Fett. Einer der sich nicht freiwillig die Leberwurst vom Brot nehmen lässt. Mozzarella hin oder her. Zäh- elastisch, so ist er, unser Tim. So dröhnt er mit seinem Pick-up in den Hamburger Abendhimmel, immer auf der Suche nach neuen, großartigen Rezepten und begrüßt uns auch morgen wieder. Um 18.45uhr.Bei VOX. Wundabaa. Einfach `wun-da-baa`.


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